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„Im Kleinformat”: Lebensgeschichte von Feras Fayyad

2020 wurde der Filmemacher Feras Fayyad für „Klinik im Untergrund – The Cave“ mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. In seinem neuen Dokumentarfilm „Im Kleinformat“ verarbeitet er seine eigene Geschichte, worüber er bei DOKVILLE 2021 spricht.

Filmstill aus
Filmstill aus „Im Kleinformat“: Zerstörte Gebäude in Syrien © Ma.Ja.De. Filmproduktion

Bereits zwei Oscarnominierungen erhielt der syrische Regisseur Feras Fayyad. „Klinik im Untergrund – The Cave“ wurde ebenso in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert wie sein vorheriger Dokumentarfilm „Last Men Of Aleppo – Die letzten Männer von Aleppo“. Beide thematisieren die schweren Auswirkungen des Kriegs in Syrien, dem Heimatland des Regisseurs. Mittlerweile lebt er in Berlin.

Verarbeiten seiner eigenen Erlebnisse

Was er in Aleppo selbst erlebt hat, hat er lange Zeit verschwiegen. „Meine persönliche Geschichte habe ich nie weiter vertieft“, erklärt Fayyad. Was er erlebt habe, werde in den Geschichten, die er erzählt, sowieso aufgegriffen. „Die brutalen Dinge wollte ich meiner Familie auch nicht zumuten“, erzählt er im Video-Gespräch bei DOKVILLE 2021. Frank Rother hatte Feras Fayyad zuvor in Berlin besucht, um mit ihm über seinen neuen Dokumentarfilm „Im Kleinformat“ zu sprechen. Darin verarbeitet er die Erlebnisse, die er im Gefängnis machen musste.

Brutale Gewalt gegen Inhaftierte

Er selbst hat die Gewalt, mit denen die Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten bei einem friedlichen Aufstand gegen das Assad-Regime vorgingen, filmisch dokumentiert. Dafür wurde er inhaftiert und brutal gefoltert. Mit einem Therapeuten spricht er über das Geschehene. „Die Erlebnisse und Verletzungen in Haft kann man nicht einfach verarbeiten. Etwas in mir ist kaum wieder gutzumachen“, berichtet Feras Fayyad.

Filmstill aus "Im Kleinformat": Feras Fayyad und Anwalt Anwar Albuni © Ma.Ja.De. Filmproduktion
Filmstill aus „Im Kleinformat“: Feras Fayyad und Anwalt Anwar Albuni © Ma.Ja.De. Filmproduktion
Filmstill aus "Im Kleinformat": Anwalt Anwar Albuni © Ma.Ja.De. Filmproduktion
Filmstill aus „Im Kleinformat“: Anwalt Anwar Albuni © Ma.Ja.De. Filmproduktion

Mit Hilfe des Anwalts Anwar Al-Buni, einem syrischen Menschenrechtsanwalt, sowie der deutschen Staatsanwaltschaft beginnt der Filmemacher einen hochrangigen Beamten im Sicherheitsapparat des Assad-Regimes strafrechtlich zu verfolgen. Schon während der Eröffnungssitzung in Koblenz wird klar, welcher systematischen und brutalen Folter die Gefangenen ausgesetzt sind. Im Gericht konnte Fayyad nicht glauben, dass er wirklich aussagt.

Im Dokumentarfilm soll die Bedeutung von Raum und Zeit für die Gefangenen aufgegriffen werden. Die Haftanstalt war unter der Erde, es gab nur elektronisches Licht. Dort waren nur die Folterungen zu hören. „Ich möchte ausdrücken, was es bedeutet, orientierungslos zu sein“, berichtet Feras Fayyad im DOKVILLE-Video. Das ist für einen Menschen sehr schlimm.

Als Produzent Distanz wahren

Produzent Heino Deckert von Ma.Ja.De Filmproduktion war ebenfalls bei DOKVILLE im Gespräch mit Frank Rother. „Man muss auch die Rolle des Distanzbringers übernehmen, wenn Filmschaffende ein Projekt über sich selbst drehen“, erklärt Deckert.

Filmstill aus
Filmstill aus „Im Kleinformat“: Feras Fayyad mit seiner Tochter © Ma.Ja.De. Filmproduktion

Der Filmtitel „Im Kleinformat“ ist eine Anlehnung an die Aufnahmen mit beispielsweise Handys, wie Heino Deckert bei DOKVILLE erläutert. „Die Opposition in Syrien war darauf angewiesen, mit kleinformatigen Bildern zu arbeiten.“ Auch Feras Fayyad filmte mit dem Handy auf der Straße als er verhaftet wurde.

„Im Kleinformat“ möchte etwas bewegen

Den Film zu machen und zu zeigen, sei für ihn wie ein Prozess, berichtet Feras Fayyad weiter. „Ich möchte, dass meine Tochter versteht, was ihr Vater durchgemacht hat“, so Fayyad. Der Dokumentarfilm zeigt, welche Auswirkungen das syrische Foltersystem auf die Menschen hat und begleitet den Prozess gegen die Hauptverantwortlichen vor Gericht. Mit seiner zutiefst berührenden Geschichte möchte Feras Fayyad für Gerechtigkeit kämpfen: „Vielleicht kann der Film etwas bewegen.“