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Spotlights auf das Programm von DOKVILLE 2022

DOKVILLE thematisiert am 23. und 24.6.2022 zentrale Themen des investigativen Dokumentarfilms – von Faktencheck, Deep Fakes, Whistleblowern, fehlenden Bildern bis zur Finanzierung aufwändiger Recherchen. Der Branchentreff vom Haus des Dokumentarfilms findet im Hospitalhof Stuttgart statt – mit Saalpublikum und online als Livestream. Am ersten Tag steht der investigative Dokumentarfilm im Mittelpunkt, der zweite Tag widmet sich erneut dokumentarischen Serien.

Gesellschaftliche Relevanz von Themen

Inmitten des medialen Getöses auf multiplen Plattformen, der Zunahme von Meinung statt Wissen und der Verbreitung von Fake News kommt dem investigativen Dokumentarfilm eine wachsende Bedeutung zu. Es fällt ins Auge, dass er vornehmlich relevante Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufgreift und sich der Arbeitsweise des investigativen Journalismus annähert. Durch gründliche Recherche sollen Missstände aufgedeckt werden. Aber anders als investigative Reportage- oder Magazinformate wie Frontal (ZDF), Die Story (ARD) oder Team Wallraff (RTL) entwickelt der Dokumentarfilm seine eigene, dem Inhalt angemessene Form und Erzählweise. Zudem ist er nicht an Formatvorgaben gebunden.

„Hinter den Schlagzeilen“: Das Investigativ-Team der Süddeutschen Zeitung im Gespräch mit Edward Snowden © bauderfilm

Geheime Quellen und Whistleblower

Da investigativer Journalismus mit Quellen arbeitet, die größtenteils nicht öffentlich zugänglich sind oder der Geheimhaltung unterliegen und Recherchen oft verdeckt erfolgen, sind Faktenchecks zeit- und kostenaufwendiger als für andere Genres. Vor dem Hintergrund von Kostendruck, der auf den meisten Medien lastet, dem zunehmenden Zeitdruck, unter dem Recherchen erfolgen, und nicht zuletzt der Internationalität politisch relevanter Themen haben sich Journalisten zu Rechercheverbünden zusammengetan. Das Recherchenetzwerk von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung etwa kann beachtliche Erfolge aufweisen. Es berichtete unter anderem über den Abgasskandal in der deutschen Automobilindustrie und bekam vertraulich die Panama Papers zugespielt. Ein weiterer wichtiger Baustein der journalistischen Arbeit ist das Aufspüren sogenannter Whistleblower, Informanten, die über wertvolles Insiderwissen verfügen und bereit sind, dieses weiterzugeben.

Bedrohung und Beleidigung

Oft ist investigativer Journalismus mit hohen Risiken nicht nur für die Journalist:innen, sondern auch ihre Informant:innen verbunden. Insbesondere, wenn Machenschaften einflussreicher Personen und Institutionen aufgedeckt werden. Die enorme Tragweite von Enthüllungen zeigte 2017 der Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia. Selbst in der alltäglichen Berichterstattung nehmen Attacken auf Pressevertreter:innen auf erschreckende Weise zu. Im Jahr 2021 habe es 119 Meldungen zu Bedrohungen, Angriffen, Beleidigungen, Behinderungen, aber auch juristische Attacken gegeben, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in ver.di, Monique Hofmann, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im Jahr 2020 seien es noch 72 Angriffe gewesen.

Wo steht der investigative Dokumentarfilm?

Wo steht der investigative Dokumentarfilm im Jahr 2022? Zu kostspielig in Recherche, Umsetzung und juristischer Beratung, um für Sender, Förderungen und Koproduzenten eine relevante Rolle zu spielen? In ökonomischer Hinsicht zu riskant für Produzenten, die auf nicht kalkulierten Kosten möglicherweise sitzen bleiben? Welche Bedeutung kommt ihm in der sich wandelnden Medienstruktur mit unzähligen digitalen Angeboten zu? Spielen nachprüfbare Fakten in einer „postdemokratischen“ Gesellschaft noch eine Rolle? Dies sind Fragen, denen DOKVILLE 2022 anhand von Case Studies, Panel-Diskussionen und Projektvorstellungen nachgehen wird.

Regisseur Daniel Harrich © diwafilm/Jürgen Olczyk
Regisseur Daniel Harrich © diwafilm/Jürgen Olczyk

DOKVILLE Ehrengast 2022: Daniel Harrich

Der Regisseur Daniel Harrich wird in diesem Jahr DOKVILLE Ehrengast sein bei dem Format „Im Gespräch mit“. Die Interviewreihe startete 2012 mit Georg Stefan Troller und begrüßte seitdem viele namhafte Filmschaffende auf dem DOKVILLE Podium. Daniel Harrich, Regisseur und Drehbuchautor ist bekannt für seine investigativen Langzeitrecherchen von internationaler Relevanz. Häufig stehen Großkonzerne im Fokus. Bei „Meister des Todes – Tödliche Exporte“ war es die Waffenindustrie, in „Gift – Gefährliche Medikamente“ zeigte Harrich, wie die Pharmaindustrie mit Medikamenten schludert und Fälschungen oder Fehlerprodukte auf den deutschen Markt kommen. In seinem aktuellen Film „Bis zum letzten Tropfen“ widmet sich Harrich den Machenschaften der Getränkeindustrie mit dem Allgemeingut Wasser.

Filmstill aus „Reeperbahn Special Unit 65“ © gebrueder beetz filmproduktion

Serien weiter im Trend

Noch ist kein Ende des Serienbooms in Sicht. Es bewegt sich viel im internationalen Markt der High-End Doku-Serien und Deutschland spielt im Prime-Segment mit. Bei den Berlinale Series Days wurde mit „Reeperbahn Special Unit 65“ der gebrueder Beetz Filmproduktion (Kopro NDR, SWR, WDR, rbb) erstmals ein non-fiktionales Format eingeladen. Bisher waren die Berlinale-Serientage fiktionalen Formaten vorbehalten. Beim Branchentreff DOKVILLE sind Doku-Serien 2022 zum dritten Mal Thema des zweiten Tages. Kontinuität für ein relativ junges Erzählformat, das viele Spielmöglichkeiten eröffnet und die Grenzen seines künstlerischen und inhaltlichen Ausdrucks sicherlich noch nicht erreicht hat. Zu Wort kommen renommierte Filmschaffende – von der Idee und Stoffentwicklung bis hin zur fertigen Serie.

AngeDOKt – Dokumentarfilm trifft interaktive Medien

Eine Fortsetzung findet auch die Kooperation zwischen dem Haus des Dokumentarfilms und der Film Commission Region Stuttgart mit dem Programmpunkt „AngeDOKt“. Das Panel stellt crossmediale Entwicklungen von Medieninhalten und ungewöhnliche Produktionswege in den Fokus.

DOKVILLE 2022 – vor Ort und digital

Wie schon bei DOKVILLE 2021 gibt es auch in diesem Jahr digitale Sneak Previews für akkreditierte Teilnehmende sowie vorproduzierte Videos, die hochkarätige in Produktion befindliche Projekte und ihre Macher:innen vorstellen. Während beider Branchentage wird live auf dieser Webseite sowie auf den Social Media Kanälen von DOKVILLE aus dem Stuttgarter Hospitalhof berichtet.

WANN: 23. und 24. Juni 2022, 10-17 Uhr
WO: Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart
WIE: Vor Ort im Hospitalhof und online

DOKVILLE Tickets

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme bei DOKVILLE 2022. Sie haben die Wahl zwischen dem Besuch der Präsenzveranstaltung im Hospitalhof Stuttgart (inkl. Zugriff auf alle Online-Inhalte) oder dem Livestream („online only“-Teilnahme). 

Vor-Ort-Tickets berechtigen an den gekauften DOKVILLE Tagen auch zum Besuch des zeitgleich stattfindenden SWR Doku Festivals in Stuttgart (21. bis 24.6.).


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