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DOKVILLE 21: Quo Vadis öffentlich-rechtlicher Rundfunk?

SWR-Intendant Kai Gniffke sprach bei DOKVILLE 2021 über zwei große Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: gesellschaftliche Polarisierung und Konkurrenz durch Streaming-Plattformen. Dem Dokumentarfilm kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Der Dokumentarfilm als Verpflichtung

Im Vorfeld des Panels „Öffentlich-rechtliche Mediatheken im Wettbewerb mit Streaming-Giganten“ hielt der Intendant des SWR, Prof. Dr. Kai Gniffke, einen Zwischenruf. Er bezeichnet den Dokumentarfilm als „die journalistische Königsdisziplin“, vor der er stets großen Respekt gehabt habe. Er gehöre weiterhin zum Kernbereich von ARD und ZDF. In seiner Rede benennt Gniffke zwei Problematiken, denen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aktuell entgegentreten müssen.

Dokumentarfilme: „Sagen, was ist.“ 

Kai Gniffke © Paul Gärtner
SWR-Intendant Kai Gniffke © Paul Gärtner

Einerseits sieht der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich momentan allgemeiner Kritik ausgesetzt: Ausgelöst von einer Polarisierung der Gesellschaft steht er vor einer Bewährungsprobe. Der Rundfunkbeitrag und damit implizit auch der Medienstaatsvertrag an sich stehen zur Debatte. Gniffke sieht in der per se kritischen Geisteshaltung von Dokumentarfilmen eine Chance, das sinkende Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Zu ihren Eigenschaften zähle nämlich, dass sie „sagen, was ist“ und den Leuten nichts vormachen.

Die Bedingungen dafür sind in der ARD noch immer gut, auch wenn die Konkurrenz von Streaming-Riesen und das bisherige Ausbleiben der Erhöhung des Rundfunkbeitrags als Hürden angesehen werden, die es zu nehmen gilt. Die gute Vernetzung mit Produktionsfirmen in Kombination mit eigenem, fachkundigem Personal bereitet der ARD eine solide redaktionelle Basis. Auch „die Kreativität der Produzentinnen und Produzenten wird immer gefragt sein“, so Gniffke.

Mediatheken sind keine Abstellgleise

Als zweite große Herausforderung benennt Gniffke die Digitalisierung. Das betrifft zum einen die Entwicklung mutiger, neuer Formate, wie das Instagram-Projekt „Ich bin Sophie Scholl“, welches ebenfalls mit einer Case Study bei DOKVILLE 2021 zu Gast war. Außerdem muss die Auswertung durch Mediatheken dem linearen TV-Programm gleichgestellt werden. Für „Mediathek only“ zu produzieren, ist darum neuerdings verpflichtend. Zusätzlich wollen ARD und ZDF ihre Inhalte zukünftig in einer einzigen Mediathek zusammenbringen und so den international agierenden Streaming-Anbietern ein eigenes Programm entgegenzusetzen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat Gniffke zufolge einen entscheidenden Vorteil zu bieten: Er „unterliegt keinen Kapitalverwertungsinteressen“, sondern orientiere sich an ideellen Werten wie Fairness, Demokratie, Solidarität, Vielfalt und Respekt.

Der SWR bleibt dem Dokumentarfilm treu

Des Weiteren macht Gniffke deutlich, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Dokumentarfilme produzieren, die Debatten anstoßen. So liefern sie den Rohstoff für eine Diskussionskultur, die der Demokratie stetig neue Impulse verschafft und damit Menschen mit unterschiedlicher Geisteshaltung zu einem Austausch anregt. Der SWR sieht sich als gute Adresse für den Dokumentarfilm. In Zukunft soll darauf weiterhin der Fokus liegen, denn man brauche Dokumentarfilmer:innen, weil sie die Gesellschaft bereicherten, indem sie nicht ‚nur’ Journalismus betreiben sondern gleichzeitig auch Kunst erschaffen.

Prof. Dr. Kai Gniffke spricht bei DOKVILLE 2021 zum Thema "Quo Vadis - Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk?" © Günther Ahner/HDF
Zwischenruf von SWR-Intendant Kai Gniffke bei DOKVILLE 2021 © Günther Ahner/HDF
Zwischenruf von SWR-Intendant Kai Gniffke bei DOKVILLE 2021 © Günther Ahner/HDF
Zwischenruf von SWR-Intendant Kai Gniffke bei DOKVILLE 2021 © Günther Ahner/HDF