Andres Veiel über „Ökozid“: „Die Debatte kam in Schwung“

Andres Veiels „Ökozid“ lief zur Primetime am 18.11.2020 in der ARD. Wie Klimaschutz trotz Corona im öffentlichen Bewusstsein bleibt und welche Debatten der Spielfilm auslöste – darüber sprach er mit DOKVILLE Kuratorin Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms. 

Andres Veiel – vom Dokumentar- zum Spielfilm

Der Regisseur und Autor Andres Veiel ist bekannt für seine minutiös recherchierten Dokumentarfilme, wie „Black Box BRD“, „Die Spielwütigen“ oder „Beuys“. Mit „Ökozid“ wechselt er das Genre und inszeniert einen eindrücklichen Spielfilm.

„Ökozid“: Klimapolitik in der Primetime

Sein Film „Ökozid“ lief zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr in Das Erste und war ein wichtiger Teil der ARD-Themenwoche #wieleben nebst Themenabend „Klimakrise – Wie wollen wir leben?“. Eine mutige Entscheidung der Programmverantwortlichen, denn weder Thema noch Umsetzung sind geschmeidige Feierabendlektüre. Angedacht wurde die Verarbeitung des Stoffes anfangs auch als Dokumentarfilm, aber „uns war es wichtig, mit der Aufarbeitung der deutschen Klimaschutzpolitik nicht eine kleine Minorität um 23 Uhr zu erreichen, sondern die Fragestellungen so aufzubauen und zu verpacken, dass wir tatsächlich in der Primetime landen“, sagt Veiel im Gespräch mit Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms.

Viele Zuschauer trotz Corona

Die große Frage blieb für das Filmteam, ob sie mitten in der Covid-19-Debatte in der Lage sein würden, die Klimathematik wieder ins Bewusstsein zu holen und ihr zu großer Präsenz zu verhelfen. Immerhin erreichte der Film „Ökozid“ am Abend der Erstausstrahlung (18.11.2020) über drei Millionen Zuschauer. Vertieft wurden Thema und filmische Umsetzung in der anschließenden Diskussionsrunde mit Sandra Maischberger.

Filmstills aus „Ökozid“

Social-Media-Debatten: „Da wurde gebrüllt, getobt!“

„Wir haben an den Social-Media-Debatten gemerkt, wie sehr der Film zunächst die üblichen Reflexe provoziert. Von der AFD bis in die FDP hinein gab es eine große Abwehr gegen das Thema“, so Veiel im Gespräch mit der DOKVILLE Kuratorin Astrid Beyer. Die Themen waren vielfältig. Sie gingen von der Ablehnung der öffentlich-rechtlichen Sender und der Gebührenzahlung (GEZ) über in Klimawandel-Leugnung bis hin zur Forderung, eine Verletzung des Planeten Erde generell als Straftatbestand zu verankern. „Da wurde gebrüllt, getobt. Wenn man sich den Flow der Tweets anschaut, ist da unglaublich viel passiert. Und das fand ich erstmal positiv, auch, wenn da wenig zugehört und mehr proklamiert wird. Aber zumindest ist die Debatte in Schwung gekommen“, kommentiert Veiel im Interview mit Astrid Beyer, das zudem auch die Themen Faktenrecherche und Besetzung der Fernsehfilms aufgreift.

Andres Veiel im ausführlichen Interview über seinen Film „Ökozid“

„Ökozid“: Inhaltsangabe und Verfügbarkeit in der Mediathek

Die Folgen der Klimakatastrophe sind dramatisch. Dürre und Hochwasser vernichten die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Der Internationale Gerichtshof lädt ranghohe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Industrie als Zeugen, darunter auch die 80-jährige Angela Merkel. Geklärt werden soll die Frage, ob die deutsche Politik für ihr Versagen beim Klimaschutz zur Verantwortung gezogen und damit ein Präzedenzfall geschaffen werden kann.

Hinweis: „Ökozid“ ist bis Mitte Februar 2021 in der ARD-Mediathek verfügbar. Der Polit-Talk mit Sandra Maischberger zu dem Thema „Die Klimakrise – Deutschland auf der Anklagebank“ kann als Audiopodcast auf der ARD-Internetseite heruntergeladen werden.

Cast & Credits

„Ökozid“
mit Edgar Selge, Ulrich Tukur, Nina Kunzendorf, Friederike Becht, Martina Eitner-Acheampong u. a.
Drehbuch: Andres Veiel, Jutta Doberstein, Regie: Andres Veiel, Produzent: Thomas Kufus
Eine Koproduktion von Zero One Film mit rbb, NDR und WDR gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg, Film- und Medienstiftung NRW und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

© 2020

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