DOKVILLE 2018: Panel True Crime – FIlmstill aus "Killing for Love" (© Filmperspektive)

True Crime – die neue Lust an der Realität: »Killing for Love«

Das echte Leben schreibt wahrscheinlich die packendsten Kriminalfälle. Während das fiktionale Filmgenre schon lange vorgab, mit dokumentarischen Mitteln zu arbeiten, hatten dokumentarische »True Crime«-Formate bisher Seltenheitswert. Doch das hat sich geändert. DOKVILLE 2018 stellt die Dokuserie »Killing for Love« vor.

Dokumentarfilm »Das Versprechen« über Doppelmord

In ihrem Dokumentarfilm »Das Versprechen« gehen Filmemacher Marcus Vetter und die Journalistin Karin Steinberger auf die Suche nach der Wahrheit hinter der Realität. Real ist, dass der Deutsche Jens Söring seit über 30 Jahren in den USA in einem Gefängnis sitzt. Real ist auch, dass er als junger Mann einen Doppelmord an den Eltern seiner damaligen Freundin zugab. Doch was ist wahr? Der Film entrollt eine »True Crime«-Story und ist doch viel mehr »als nur eine Story« über ein Verbrechen.

Es ist ein Verbrechen aus Leidenschaft, wie es Hollywood nicht besser hätte erfinden können: Ein blutiger Doppelmord in den USA an einem reichen kanadischen Ehepaar; zwei in sexueller Obsession verbundene Verdächtige, die von Amerika nach Europa fliehen und schließlich in England verhaftet werden, wo einer von ihnen, ein junger Deutscher, die alleinige Schuld übernehmen wird. 18 Jahre alt ist Jens Söring, als er den Fehler begeht, der sein Leben und das von allen, die ihn lieben, zerstören wird. Söring will Elizabeth, Tochter des ermordeten Paares, beschützen. Jens vermutet: Sie ist die Täterin. Aber er ist jung, blind vor Liebe und, wie er fast ein halbes Menschenalter später sagen wird, überfordert davon, das erste Mal in seinem Leben ein Problem alleine lösen zu müssen.

Söring gesteht, den Doppelmord begangen zu haben. Doch kaum hat er das getan, will Elizabeth, die Frau, die ihn bis eben noch zu lieben vorgab, nichts mehr von ihm wissen. Eiskaltes Kalkül scheint die Triebfeder ihres Planes zu sein. Es folgen zwei spektakuläre Schauprozesse im US-Bundesstaat Virginia, Auftritte eines aggressiven Staatsanwaltes und eines unerfahrenen Verteidigers, Zeugen verschwinden und Entlastungsbeweise werden ignoriert. Am Ende sitzen Jens und Elizabeth hinter Gittern, der Todesstrafe nur knapp entkommen, aber weggesperrt für den Rest ihres Lebens.

Von der Doku zur Webserie »Killing for Love«

Marcus Vetters Film »Das Versprechen« hatte Ende 2016 seine Kinopremiere in Deutschland, kam Anfang 2018 in die US-amerikanischen Kinos und wird am 15. August 2018 in der ARD ausgestrahlt. Unter dem Titel »Killing for Love« entwickelte Vetter mit der eigenen Produktionsfirma Filmperspektive aus dem Material des 133-minütigen Dokumentarfilms eine Web-Serie. Sie wurde mit über eine Million Zugriffen die erfolgreichste »Iplayer«-Serie der BBC.

Video: Sebastian Sorg im Gespräch mit Marcus Vetter

Dokumentarfilmexperte Sebastian Sorg spricht im Video mit Regisseur Marcus Vetter und der Journalistin Karin Steinberger, Redakteurin bei Süddeutsche Zeitung, über »Killing for Love«. Die Mini-Serie wurde unter dem Titel »The Promise/Das Versprechen« auch in die Kinos gebracht und war international in verschiedenen Schnittfassungen erfolgreich. 

Lesen Sie auch über »Höllental«, die zweite Serie im Panel »True Crime – Neue Lust an der Realität« bei DOKVILLE 2018.

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