20 Tage In Mariupol (Foto: SWR/Mstylav Chernov/AP)

Schlachtfeld der Bilder – TikTok & Co. im Kriegsmodus

DOKVILLE, der jährliche Branchentreff vom Haus des Dokumentarfilms, lädt hochrangige Vertreter:innen der Medien- und Filmbranche ein, miteinander und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Angesichts wachsender Konflikte nicht nur in der Ukraine und im Nahen Osten reflektieren die für 2024 geplanten Keynotes, Panels und Case Studies das Thema KRIEG UND DES:INFORMATION. Im Fokus stehen hochkarätige dokumentarische Langformate, aktuelle Doku-Serien sowie, im Format AngeDOKt, Schnittstellen zum Games-Bereich.

DOKVILLE findet am 20. und 21. Juni 2024 im Hospitalhof Stuttgart statt und wird für alle, die nicht vor Ort sein können, als Livestream übertragen. Zeitgleich veranstaltet der SWR sein Doku Festival (18.-21.6.24, Stuttgart). Feierlicher Abschluss beider Events ist die Verleihung des Deutschen Dokumentarfilmpreises am Abend des 21. Juni.
20 TAGE IN MARIUPOL © SWR/Mstyslav Chernov/AP
20 TAGE IN MARIUPOL © SWR/Mstylav Chernov/AP

20 TAGE IN MARIUPOL

Eine der Case Studies von DOKVILLE 2024 behandelt 20 TAGE IN MARIUPOL. Der Dokumentarfilm des Pulitzer-Preisträgers, Journalisten und Regisseurs Mstyslav Chernov ist ein erschütterndes Zeugnis der russischen Invasion in die strategisch wichtige Hafenstadt. Ein Reporterteam wurde während seiner Arbeit für die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in Mariupol einkesselt und dokumentierte die Ereignisse während der Belagerung. Es entstanden Bilder, die in der Presse und den Sozialen Medien um die Welt gingen und sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben.

Die ukrainische Einreichung für die Oscar-Verleihung 2024 (Kat. „Bester Internationaler Film“ und „Bester Dokumentarfilm“) zeigt die Brutalität des russischen Angriffs ungefiltert und ungeschönt. Der mit dem Publikumspreis und dem „World Cinema Jury Prize: Documentary“ beim Sundance-Festival 2023 ausgezeichnete Film feierte Deutschlandpremiere auf dem Human Rights Film Festival in Berlin (11. bis 22. Oktober 2023). Er wird am 19. Februar 2024 um 22:50 Uhr im Ersten gezeigt und ist schon ab dem 12. Februar in der ARD Mediathek abrufbar.

Weitere Themen von DOKVILLE 2024

ARD-Programmdirektorin Christine Strobl wird eine Keynote zu DAS DOKUMENTARISCHE IN DEN MEDIATHEKEN – STRATEGIEN UND WETTBEWERB (AT) halten. In ihrer Funktion ist sie für das ARD-Gemeinschaftsprogramm Das Erste und die ARD Mediathek verantwortlich. Ihr folgt eine Debatte mit Branchen- und Verbandsvertreter:innen zu BEDINGUNGEN UND REALITÄTEN DES DOKUMENTARFILMS (AT).

In einem Panel zu FILMKUNST UND PROPAGANDA (AT) ist u. a. der renommierte Regisseur Andres Veiel zu Gast, der aktuell einen Film über Leni Riefenstahl in der Post-Produktion hat.

20 TAGE IN MARIUPOL © SWR/Mstyslav Chernov/AP
20 TAGE IN MARIUPOL © SWR/Mstylav Chernov/AP

Weitere Programminhalte für DOKVILLE 2024 werden im ersten Halbjahr bekannt gegeben. VVK läuft: dokville.de/tickets

Eric Friedler, neuer HDF-Geschäftsführer, über DOKVILLE 2024

Jede Kriegspartei, ob in Nahost, der Ukraine, Bergkarabach oder Xinjiang, offeriert im medialen Raum ihre eigenen Narrative. Sei es, um die Aggression zu rechtfertigen, sei es, um die Verteidigung zu stärken. Es geht darum, den zivilen Durchhaltewillen zu mobilisieren, den Krieg in den Alltag zu integrieren. Gesteuerter Einsatz von Worten und Bildern gehört zum Kriegshandwerk. Das ist nicht neu, es war immer so.

Gezielte Manipulationsbomben

Heute geht es jedoch vor allem darum, die Bedeutungshoheit über Bilder zu erstreiten. Jedes Video, jedes Foto, jedes visuelle Dokument schlägt in der Öffentlichkeit wie eine Kugel ein. Ist eine gezielt gezündete Manipulationsbombe. Bilder legen Fallen, als wären und sollten alle allen ein Feind sein. In den digitalen Medien wütet ein paralleler Krieg.

Fotos oder Filmaufnahmen vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine weisen allesamt über das tatsächliche Kampfgeschehen hinaus. Die Terroristen der Hamas nutzen ganz gezielt das Videoportal TikTok, um ihre Mordtaten umzudefinieren. Verifizieren lassen sich die in Sozialen Medien verbreiteten Botschaften ohnehin nicht. Sie zielen auf Vereinnahmung und Desinformation. Glaub‘, was du siehst! Hinterfrage nicht, prüfe nicht!

Vorgetäuschte Wirklichkeiten

Eine Strategie der Überwältigung ist der Motor jedweder Propaganda, die Manipulation kritischer Meinungsbildung ihr einziges Ziel. Unkenntnis ist die Weggefährtin von Nationalismus und übersteigertem Patriotismus. Die Unmittelbarkeit von Bildern, ihre vermeintliche Authentizität, flutet die öffentliche Wahrnehmung mit vorgetäuschten Wirklichkeiten. Diese sind mehr als nur eine hybride Bedrohung. Sie greifen direkt an, unterbinden Kritik oder Distanz und zielen mit emotional aufgepeitschter Wut mitten ins Herz.

Fake News vs. echte Nachrichten

Welche Wirkungsmacht können im ungleichen Wettbewerb von Fake News und tatsächlichen News Dokumentarfilme entfalten? Ist der Mythos einer wertfreien Dokumentation endgültig ad absurdum geführt? DOKVILLE 2024 stellt notwendige Fragen, sucht nach Antworten und Einsichten.

– Eric Friedler im Dezember 2023 – 

Hauptvisual PROPAGANDASCHLACHT UM DIE UKRAINE © Berlin Producers Media/Studio Filmgraphik
In der Mediathek: PROPAGANDASCHLACHT UM DIE UKRAINE © berlin producers Media/Studio Filmgraphik
20 TAGE IN MARIUPOL © SWR/Evgeniy Maloletka/AP
20 TAGE IN MARIUPOL wird am 19.2.24, 22:50 Uhr, im Ersten gezeigt und ist schon ab dem 12.2. in der ARD Mediathek © SWR/Evgeniy Maloletka/AP

DOKVILLE 2024: Tickets kaufen

DOKVILLE 2024 findet am 20. und 21. Juni im Hospitalhof Stuttgart statt und wird als Livestream übertragen.
Das Thema des diesjährigen Branchentreffs ist KRIEG UND DES:INFORMATION. 

Der VVK läuft. Early-Bird-Tickets erhalten Sie bis zum 27. Mai 2024 mit einem Rabatt von bis zu 25 Prozent. 

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